TSV Heiningen – TSB Schwäbisch Gmünd  30 : 26  (18 : 15)

Von Michael Kohnle

Fotos: fotokunst-nick.de; Hoer

Der TSV Heiningen besiegt im Spitzenspiel die TSB Schwäbisch Gmünd mit 30:26 und darf weiter hoffen. Die Zuschauer sahen in der ausverkauften Voralbhalle ein spannendes Derby und tolle Werbung für den Handball in der Region.

Was für ein Abend. Was für ein Derby. Und was für eine Gefühlsachterbahn für alle Fans des TSV Heiningen. Die Ausgangslage vor dem Spitzenspiel gegen die TSB Schwäbisch Gmünd Jets war klar – und doch voller Hoffnung. Der Freitagabend hatte ein kleines Wunder bereitet: Im Baden-Derby rang die HSG Willstätt Hanauerland den TV Sandweier Baden-Baden nieder. Plötzlich lebte er wieder – der Traum der „Staren“.

Und genau diesen Traum trugen die Heininger in die Halle. Doch der Start? Ein Schock. Keine Minute gespielt, da schlug Kai Schäffner doppelt zu – 0:2 nach nicht einmal zwei Minuten. Heiningen wirkte kurz überrumpelt, fing sich aber schnell: Moritz Fink per Siebenmeter und Chris Zöller stellten früh auf 2:2. Es war das erste Zeichen: Diese Mannschaft würde sich nicht verstecken.

Doch die Jets blieben eiskalt. Immer wieder fanden sie Lücken, setzten sich auf 3:6 und später 6:10 ab. Heiningen kämpfte, musste Strafen hinnehmen, lief hinterher – und blieb dennoch dran. Angeführt von einem starken Moritz Fink von der Linie und einem treffsicheren Janick Höer begann die Aufholjagd.

Dann kippte das Spiel.Inne rhalb weniger Minuten verwandelte sich der Rückstand in eine Führung. Vom 12:13 drehten die Staren die Partie auf 16:13, getragen von Emotionen, Tempo und einer Halle, die jetzt endgültig brannte. Spätestens beim 18:15 kurz vor der Pause war klar: Heiningen hatte dieses Spiel an sich gerissen. Doch ein Derby bleibt ein Derby.

Nach dem Seitenwechsel kamen die Jets wieder – Tor um Tor kämpften sie sich heran. Beim 21:20 war plötzlich wieder alles offen. Jeder Fehler wurde bestraft, jeder Treffer bejubelt. Es war ein Schlagabtausch, der an die Nerven ging. Dann die vielleicht spielentscheidende Szene: Disqualifikation gegen Andreas Maier auf Seiten der Gäste. In Überzahl nutzte Heiningen seine Chance – Moritz Fink verwandelte sicher, Höer traf erneut. Die Staren setzten sich ab. Und diesmal ließen sie sich den Vorsprung nicht mehr nehmen.

Mit einem starken Schlussspurt – angeführt von Nick Kohnle, der in den letzten Minuten gleich mehrfach traf – zog Heiningen davon. Vom 26:24 auf 30:26, die Halle stand längst Kopf. Jeder Treffer ein Ausrufezeichen, jeder Ballgewinn ein Schritt Richtung Hoffnung. Der Schlusspunkt? Passend symbolisch: Kohnle zum 30:26-Endstand.

Doch nach dem Schlusspfiff wurde es still. Zumindest für einen Moment. Denn dieses Spiel war nicht nur ein Derby. Es war auch ein Abschied. Fünf Spieler wurden verabschiedet – fünf Gesichter, die den TSV Heiningen über Jahre geprägt haben. Im Mittelpunkt: Chris Zöller. Einer, der immer voranging, der Verantwortung übernahm – und der auch an diesem Abend wieder traf, als es darauf ankam. Als sein Name ein letztes Mal durch die Halle hallte, erhoben sich die Zuschauer. Applaus, der nicht enden wollte.

Auch Simon Dürner wurde mit stehenden Ovationen bedacht – ein Spieler, der 5 Jahre lang für die Mannschaft unverzichtbar war und mit seiner vorbildlichen und professionellen Einstellung vorangegangen ist. Ebenso emotional der Abschied von Ben Demsky, Lenni Schreitmüller und Henry Allgaier. Jeder von ihnen hinterlässt Spuren – sportlich, aber vor allem menschlich.

Man sah Tränen. Auf dem Feld. Auf der Bank. Auf den Rängen. Es war dieser seltene Moment im Sport, in dem Ergebnis und Emotion miteinander verschmelzen. Ein Sieg, der Hoffnung schenkt – und ein Abschied, der schmerzt. Denn der Traum lebt weiter – wenn auch nur auf Messers Schneide.

Die Rechnung bleibt klar: Heiningen muss beim Aufsteiger gewinnen. Gleichzeitig darf Albstadt in Waiblingen nicht punkten. Nur dann könnte aus diesem Traum Realität werden.

Doch nach diesem Abend gilt mehr denn je: Diese Staren geben nicht auf. Für ihren Traum. Und vielleicht auch ein letztes Mal für diejenigen, die sie nun verabschieden mussten.

Es spielten: Moritz Fink (7), Janick Höer (6), Nick Kohnle (4), Finn Krempl (3), Chris Zöller (3), Felix Neudeck (2), Felix Weißer (2), Henry Allgaier (1), Felix Kohnle (1), Manuel Weinbuch (1), Tony Abele, Tobias Bauch, Simon Dürner, Talha-Emre Kabak, Tassilo Neudeck, Lenni Schreitmüller